Innenleben

Wenn man in ein Objektiv hineinschaut, dann kann das Innenleben darin richtig komplex sein. Denn je nach Anzahl und Anordnung der verwendeten Linsengruppen kann die Reinigung der Glaslinsen oder von verölten Blendenlamellen, sowie die Beseitigung von Glaspilz eine ganz schön schwierige Aufgabe darstellen. Hier muss jeder für sich entscheiden, ob diese Maßnahmen überhaupt lohnen oder man nur mehr zerstören als wieder in Ordnung bringen kann. Bei hochwertige Objektiven lohnt da sicher eher der Weg in eine Fachwerkstatt.

 

 

Wer es dennoch probieren möchte, dem stelle ich hier ein paar persönliche Tipps und Arbeitsschritte vor, wie ich an diese Aufgabe herangehe. Alle Angaben sind natürlich ohne Gewähr und auch ein Totalverlust kann durchaus am Ende aller Anstrengungen möglich sein.

 

Doch welche Fehler können im und am Objektiv überhaupt auftreten?

Äußerliches - einige typische Alterserscheinungen

  • verschmutztes Äußeres, Skalen abgenutzt, Kratzer am Objektivgehäuse
  • Gummi(griff)ringe lose oder beschädigt
  • Griffringe klebrig
  • Filtergewinde eingedrückt
  • Kratzer auf den äußeren Linsen
  • wackeliger Fokussier- oder Blendenring
  • schwergängige Entfernungseinstellung
  • abgebrochene Kunststoffteile am Bajonett (falls aus Kunststoff)

Innenleben - einige typische Alterserscheinungen

  • Nebel auf den Linsen durch Verdunstung von Ölen und Schmierstoffen
  • Staub, Abrieb, Fasern und Partikel auf den Linsen
  • mehr oder weniger starke Bildung von Glaspilz
  • verölte und schwergängige Blendenlamellen
  • ausgehängte Blendenhebel

Welches Equipment nutze ich für die Reinigung und wie gehe ich vor?

Nachdem ich viele Meinungen dazu im Internet gelesen hatte, habe ich mir meine Arbeitsmittel wie folgt zusammengestellt:

Hier zunächst die notwendigen Gerätschaften:

  • eine helle Unterlage, die heruntergefallene Schrauben (hoffentlich) auffängt und sichtbar macht
  • ein Magnet zum fixieren gelöster Schrauben und Metallkügelchen (Abstandshalter für Blendenringe)
  • ein guter Blasebalg mit Innenfilter, damit kein Staub ausgeblasen wird
  • kleine Schlitz- und Kreuzschlitzschraubendreher, die auch festsitzende Schrauben gut lösen können (1,0 - 2,5 mm)
  • verschiedene Pinzetten (oft braucht man eine dritte Hand)
  • ein Kunstfaser-Pinsel zum Entfernen von Rückständen auf Linsen
  • ein spezielles Objektiv-Tool zum öffnen kleiner Ringe (mit zwei Einkerbungen oder Löchern)
  • ein Set verschieden großer Gummidichtungen bzw. Waschenbeckenstöpsel - damit bekommt man prima die beschrifteten Ringe auf den Frontlinsen gelöst und abgedreht (falls nicht geklebt)

...und hier das zugehörige Reinigungsmaterial:

  • verschiedene Mikrofasertücher (fusselfreies Reinigen)
  • Brillenputztuch
  • Wattestäbchen (muss man geeignete herausfinden, die möglichst wenig fusseln)
  • ein desinfizierendes Reinigungsmittel/spray - zum Lösen und Beseitigen von Glaspilz
  • ein geeigneter Bioalkohol (100%), wie er z.B. für Biokamine eingesetzt wird - er sollte keine Schlieren hinterlassen
  • ein gutes Schmierfett zum Fetten von Gewindegängen, wenn man das alte entfernt hat (ich verwende Castrol LMX Li-Komplexfett)
  • eine Kunststoffdose für die Aufbewahrung aller ausgebauten Komponenten eines Objektivs - z.B. wenn man die Arbeit mal unterbrechen muss
  • nicht abgebildet sind Lösungsmittel wie Waschbenzin und Aceton (möglichst rein), die man z.B. zur Entölung von Blendenlamellen oder zur Entfernung von alten Gewindefetten benötigt. Vorsicht, alle genannten Lösungsmittel sind leicht brennbar! Aceton greift zudem auch leicht Kunststoff- und Gummioberflächen an, daher bei Kunststoffobjektiven besser Waschbenzin oder Bioalkohol verwenden (Isopropanol geht auch, trocknet aber schlechter).

Lesen Sie bitte weiter unter "Linsenreinigung"

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